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Rainald Grebe & Orchester der Versöhnung

Aachen, Eurogress

10.11.2011, 20:00 Uhr

Tickets über Klenkes erhältlich

Mit „Zurück zur Natur“ setzt sich Rainald Grebe mit den Vor- und Nachteilen des Landlebens auseinander. Mit Klenkes-Redakteur Sebastian Dreher sprach er über Recherchemethoden, Grillen und TV-Komik.

Sie haben Lieder über Sachsen und Thüringen gemacht. Würden Sie auch mal ein Lied über das Rheinland machen?

Ich komme ja aus dem Rheinland. Aus Frechen, genauer gesagt. – Darüber hab ich auch Lieder gemacht. Die heißen dann vielleicht nicht so, sondern „Familie Gold“ oder „Meine kleine Stadt“. Das sind eher so diese Kindheitsgeschichten.

Apropos Kindheit. Fließt Ihre Herkunft (Kleinstadt am Rande einer Metropole) in Ihr Programm hinein?

Ja, oft. In meinem neuen Solo geht es fast nur darum. Ich war jetzt diese Woche mal wieder in Frechen, um zu recherchieren, und das war schon merkwürdig. Ich erinnere mich natürlich an alles – und wenn das Büdchen abgerissen ist, das schmerzt, da fehlt was.

Gehen Sie zu Klassentreffen?

Also, ich war noch nie da. Aber im Zug meiner Recherche habe ich bei StayFriends geschaut, was die alten Kollegen so machen. Jetzt krieg ich dauernd Anfragen … Hab mich aber noch nicht zurückgemeldet.

Ihr neues Album heißt „Zurück zur Natur“, auf dem Sie über Zivilisationskrankheiten, modernes Großstadtleben und die damit zusammenhängende Anonymität singen. Sind Sie für oder gegen ein Leben auf dem Land?

Ich bin ja eher ein Großstadtkind, sehne mich aber nach einem Rückzugsort auf dem Land. Keine Villa, eher eine bessere Datsche am Fluss oder am See. Ich hab viele Freunde auf dem Land, die einen Cut gemacht haben und richtig rausgezogen sind. Das Album handelt von ländlichen Eindrücken, natürlich voll aus Großstadtsicht. Wie auch sonst, ich bin ja kein Bauer. Insofern geht es immer um diese Großstädter, die da was suchen.

Woher kommt der Wunsch, aufs Land zu ziehen?


Der ist wahrscheinlich in irgendeiner Raststätte entstanden, als ich von einem Gig zum anderen gefahren bin, oder in einem Hotelbett. Oder morgens vor der leeren Minibar …

Wollen Sie auch mal mit den Händen arbeiten?

Na ja, das können ruhig andere machen. (lacht) Eigentlich will ich nur grillen, Wein trinken und den Fröschen zuhören. Ich kann ja gar nicht arbeiten, ich habe zwei linke Hände.

Wie kommt ein Puppenspieler zum Kabarett?

Eigentlich war das Kabarett früher, schon während der Schulzeit hatte ich Combos, mit denen ich Musikkabarett gemacht habe. Drei Jahre nach der Schule fand ich: „Ich muss irgendwas lernen.“ Die Spezialisierung auf Puppenspiel war Zufall. Man konnte an der Schauspielschule alles kennenlernen, ich hab mich eben dafür entschieden.

Ihre zehnköpfige Band heißt „Orchester der Versöhnung“. Wie sind Sie auf den Namen gekommen?

Der Name stammt von einer Kirche in Berlin. Die Kirche der Versöhnung stand auf dem Todesstreifen und wurde in den 80ern abgerissen. Später wurde sie aus Holz wieder aufgebaut und dient jetzt als Gedenkstätte. Ich habe da gewohnt und dieser Ost-West-Konflikt passte zu mir: ein Wessi in Berlin.

Sie haben früh mit Thomas Hermanns zusammengearbeitet, waren oft im Quatsch Comedy Club zu Gast. Doch niemand würde Sie mit TV-Komikern wie Mario Barth oder Cindy aus Mahrzahn in Zusammenhang bringen? Wie würden Sie den Unterschied definieren?


Ich war ja bei der Gründung des Clubs dabei, damals in Hamburg. Die Show lief einmal im Monat auf der Reeperbahn. Das war noch vor meiner Puppenspielerzeit, ich war Anfang 20. Zu der Zeit waren die ganzen Akteure noch nicht formatiert, Olli Dittrich und Michael Mittermeier waren ja auch schon dabei. Es gab noch nicht diese TV-Formate. Da war „Comedy“ einfach ein neues Wort, das Thomas Hermanns in Deutschland etabliert hat. Aber was das genau war, und was man da genau machen sollte, das war noch nicht klar. Irgendwann in den 90ern kamen die ganzen Fernseh-Nasen und sagten: „Geile Nummer!“ „Deine lustige Figur!“ „Bleib dabei!“ Da bin ich dann schnell zum Theater abgebogen, denn ich wollte mich noch erweitern, wollte noch ganz andere Sachen aus dem Theater- und Literaturumfeld wissen. Aber ich habe den Kontakt zu den Kollegen nie ganz verloren.

Was erwartet die Besucher beim Konzert in Aachen? Werden Sie Ihre Federn tragen?


Kurzfristig.

Zum Abschluss: Wer ist Dörte? Ist sie wirklich Ihre Ex-Freundin?

Nee, die hieß nicht so. Das mache ich eigentlich nie, dass ich genau die Person auch nenne. – Also, wenn sie nicht prominent ist. Bei Dörte habe ich einfach mehrere Figuren übereinander gelegt.  ///

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