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Stummes Meisterwerk: „The Artist“

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Die französische Romanze „The Artist“ verzaubert ganz ohne Worte.

Genervt vom Kino-Getöse in 3-D? Als erholsame Leinwand-Wellness empfiehlt sich diese cineastische Wundertüte, die in Cannes zum überraschenden Festival-Liebling avancierte und danach die französischen Kino-Charts stürmte. Farbe? Fehlanzeige. Statt klingender Dialoge nur Text-Tafeln. Ein guter alter Stummfilm also, der selbst anno 2012 verblüffenderweise so viel Charme versprüht wie einst die Kino-Pioniere vor hundert Jahren.
George Valentin (Jean Dujardin) gibt den Mega-Star der 20er Jahre: Strahlendes Siegerlächeln, flottes Errol Flynn-Bärtchen samt sorgsam zurückgegelter Frisur – ein unwiderstehlicher Charmeur, dem das weibliche Publikum zu Füßen liegt. Zu den Fans gehört die hübsche Statistin Peppy Miller (Bérénice Bejo), in die sich der Star bei den Dreharbeiten zu „German Affairs“ rettungslos verliebt – sehr zum Ärger seiner vermögenden Gattin. Für Valentin stehen freilich bald weitaus gravierendere Probleme an: Durch den Tonfilm beginnt der Stern des Stummfilm-Draufgängers dramatisch zu sinken. Während er beim Börsencrash erst sein Vermögen und dann seine Frau verliert, steigt Peppy zum ganz großen Publikumsliebling auf.
So klischeelastig die schlichte Story dieses Herz-Schmerz-Gefühlsdramas klingen mag, so federleicht und unbeschwert vergnüglich kommt sie daher. Angenehm unangestrengt wird hier die Handlung auch ohne Worte erzählt – ein dramaturgisches Kunststück, zumal Mimik und Gestik längst nicht so übertrieben ausfallen wie bei den stummen Vorgängern. Regisseur Michel Hazanavicius, dessen flotte Agentenfilm-Parodien „OSS 117“ hierzulande leider lediglich auf DVD erschienen sind, kann sich auf ein famoses Ensemble verlassen. Mit virtuosem Witz gibt John Goodmann den bärbeißigen Hollywood-Produzenten, hinter dessen rauer Schale bisweilen ein gar goldenes Herz pocht. Mit schmachtenden Blicken bezirzt Bérénice Bejo als bezaubernde Peppy ihren Liebhaber und das Publikum gleichermaßen. Und auch Jean Dujardin macht seine Paraderolle als scheiternder Draufgänger der Traumfabrik sichtlich Spaß. Sein überzeugender Auftritt brachte ihm in Cannes die Schauspiel-Palme. Die Ehre muss er sich allerdings mit seinem cleveren Jack Russell Terrier teilen: Hund Uggy bekam den Spaßpreis der „Palm Dog“. Bleibt als Wermutstropfen nur, dass das Werk für Frankreich nicht für den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film kandidiert – es wäre der erste Stummfilm seit 83 Jahren gewesen.  ///    Dieter Oßwald

„The Artist“
F 2011 // R: Michel Hazanavicius
Start: 26.1.

Bewertung der Redaktion:

5 Sterne von maximal 5

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