Als „Agent im Dienste Ihrer Majestät“ der Königin ist Smiley (Gary Oldman) das vollkommene Gegenteil von James Bond.
Graue zurückgekämmte Haare, zerbeulter Anzug, eine dicke Hornbrille, deren schwere Gläser die traurigen Augen unwirklich vergrößern. Natürlich lächelt Smiley nie und spricht nur, wenn es unbedingt notwendig erscheint. Fast zwanzig Minuten dauert es, bis er in Tomas Alfredsons Spionagethriller „Dame, König, As, Spion” seinen ersten Satz sagt. Dabei ist in dieser Zeit einiges geschehen, wozu ein hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter wie Smiley hätte Stellung beziehen können: In der Führungsebene des britischen MI6 befindet sich im Jahre 1973 ein Maulwurf und der Versuch von Smileys langjährigem Chef „Control“ (John Hurt) Informationen über den Doppelagenten zu bekommen, ist bei einer Aktion in Budapest dramatisch gescheitert. Control wird vom Dienst suspendiert und Smiley muss mit ihm gehen. Aber schon bald wird Smiley zurückbeordert, um von einem schäbigen Hotelzimmer aus die Ermittlungen gegen den Spion in der Chefetage aufzunehmen.
„Dame, König, As, Spion“ – nach dem legendären Roman von John le Carré aus dem Jahre 1974 – ist ein altmodischer Spionagethriller im allerbesten Sinne. Das gilt nicht nur für das Ambiente der 70er Jahre, das Regisseur Tomas Alfredson („So finster die Nacht“) mit einer ungeheuren Liebe für Details und Zeitkolorit rekonstruiert, sondern auch für die unaufgeregte Erzählweise, die sich auf das Labyrinth der Geheimdienstwelt und die komplexen Konflikte zwischen Loyalität, Verrat und allgegenwärtigem Misstrauen voll und ganz einlässt. Das ist außerordentlich spannend, allerdings auf eine schleichende, nagende Weise, die nicht auf oberflächliche Adrenalin-Effekte setzt. Und stilvoll, von der hervorragenden Kameraarbeit Hoyte van Hoytemas, der die Agentenwelt der verrauchten Hinterzimmer in dunkle Grün- und Brauntöne taucht, über die präzisen Dialoge bis hin zu einem brillanten Schauspielerensemble (Mark Strong, Colin Firth, Tom Hardy, Ciarán Hinds). Aber das darstellerische Herz des Films ist Gary Oldman, der das Kunststück fertig bringt, seine durch und durch unauffällige Figur mit fein nuanciertem Spiel zum Leuchten zu bringen.
„Dame, König, As, Spion“
GB 2011 // R: Tomas Alfredson
Start: 2.2.
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Kategorie:
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