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„Kick Ass“: Blutiger Maskenball

Die Comicadaption „Kick-Ass“ lässt Batman, Spider-Man & Co. alt aussehen.

Superhelden haben in den letzten Jahren so manchen Erzfeind nicht nur in gezeichneten Abenteuern, sondern auch auf der Leinwand zur Strecke gebracht. Mal waren sie dabei vorlagengetreu mit übernatürlichen, mal mit pseudowissenschaftlich erklärten und mal auch nur mit antrainierten Kräften ausgestattet. Die einen wurden von hehren Zielen wie der Rettung der Welt angetrieben, bei anderen war es eiskalte Rache.
„Kick-Ass“ aus der Feder des schottischen Autors Mark Millar („Wanted“) und veröffentlicht unter dem Indie-Label Icon des US-Comic-Riesen Marvel (siehe Kasten rechts), ist die Essenz dessen, was Superhelden-Comics ausmacht – und dennoch ziemlich anders. Die wahre Identität des Titelhelden ist die von Dave Lizewski (sympathisch: Aaron Johnson), einem unauffälligen New Yorker Durchschnittsteenager. Eines Tages geht seine Comicleidenschaft jedoch mit ihm durch: er bestellt sich im Internet ein Superheldenkostüm, um darin Verbrechern den Kampf anzusagen. Sein erster beherzter Einsatz scheitert kläglich – allerdings mit dem positiven Nebeneffekt, dass er kaum noch Schmerz verspürt. Die zweite Mission verläuft durch glückliche Umstände erfolgreicher, wird zudem auf YouTube veröffentlicht und macht „Kick-Ass“ schnell zum Tagesgespräch. Bei seinem nächsten „Auftrag“ trifft Dave auf das maskierte Vater-Tochter-Duo „Big Daddy“ (Nicolas Cage) und „Hit-Girl“ (Chloe Moretz), das sich bei seinen Rächer-Aktivitäten allerdings weit professioneller als er anstellt.
Der britische Regisseur Matthew Vaughn bewies schon mit der Fantasykomödie „Der Sternwanderer“ und dem Gangsterthriller „Layer Cake“, dass er das richtige Gespür dafür besitzt, ausgetretene Genrepfade neu zu erschließen. Mit dieser unorthodoxen, hoch unterhaltsamen Comicadaption übertrifft er sich nun selbst und verneigt sich vor den gezeichneten Vorbildern ebenso, wie er sie mit bösem Witz bluttriefend auseinandernimmt. Eingestreute Bildideen und Zitate lassen dabei das Herz jedes Comic- und Filmfans mit Sinn für schwarzen Humor höher schlagen, genauso wie der wilde Soundtrack, den ein Quentin Tarantino nicht besser hätte zusammenstellen können. Bei alledem stiehlt Chloe Moretz als elfjähriges „Hit-Girl“, das sich fluchend und mordend durch die Gegnerschar metzelt, den anderen Helden und Schurken politisch völlig unkorrekt die Schau und sichert sich mühelos einen vorderen Platz in der ewigen Hitliste der coolsten Film-Charaktere. 

Peter Hoch

„Kick-Ass“
GB/USA 2010 // R: Matthew Vaughn // Start: 22.4.

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