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Bühnenkritik „Die Buddenbrooks“: Schlichte Bühne für einen großen Mann

Mit den „Buddenbrooks“ eröffnet ein Literaturklassiker die neue Spielzeit des Grenzlandtheaters. Noch bis zum 19. September läuft das Stück in der Elisengalerie. Hier die Kritik zur Spielzeiteröffnung.

Einer großen Herausforderung hat sich Regisseur Ulrich Wiggers da gestellt. Einen Klassiker der Weltliteratur auf die Bühne zu bringen, ist an sich schon schwierig. Dass es sich bei dem Werk auch noch um einen ziemlich bühnenfremden Stoff handelt, dessen Handlung drei Generationen umfasst, macht die Sache nicht leichter.
Der nobelpreisgekrönte Jahrhundertroman von Thomas Mann „Die Buddenbrooks“ – fast jeder wird sich jetzt an seine Schulzeit erinnert fühlen – spiegelt am Beispiel eines Lübecker Kaufmannsunternehmens detailgetreu das Ende des bürgerlichen Zeitalters wider. Äußerlich eine perfekte Familie in Besitz einer florierenden Firma – doch nach und nach schleicht sich das Unglück in das bereits marode werdende Geschlecht der Buddenbrooks. Ein „Schwachpunkt“ der Buddenbrooks ist Christian, der als Künstlernatur „keinen Sinn fürs Rechnen“ (Mann) hat, und somit als Unternehmer ausfällt. Julian Francis Bisesi zeigt einen sehr emotionalen, labilen Hypochonder, und macht so die Differenz zwischen Christian und der von sturer Pflichterfüllung und Standesdünkel beherrschte Familie überdeutlich.
Die Versuche seiner Schwester Tony – naiv und doch zielstrebig Janna Horstmann – sich im Namen der Firma eine „gute Partie“ zu angeln, scheitern an zwei mangelhaften Mannsbildern: Bendix Grünlich und Alois Permaneder, beide Male dargestellt vom herrlich überspitzt spielenden Martin Molitor.
Thomas Buddenbrook (Carsten Clemens) tritt nach dem Tod des Vaters – ganz der im Familienbuch festgeschriebenen Kaufmannstradition folgend – in die Fußstapfen seiner Ahnen und reibt sich im Laufe des Stücks so für die allmächtige Firma auf, dass er am Ende einer banalen Zahnoperation zum Opfer fällt. Im Gegensatz zur Romanvorlage endet die Inszenierung an diesem Punkt – nicht ohne dem Zuschauer in Person von Hanno, Thomas’ Sohn, das Ende der Firma vor Augen zu führen. Der kränkliche und nicht zum Kaufmann taugende Hanno zementiert den Untergang der Buddenbrooks.
Regisseur Wiggers hat bei seiner Inszenierung auf die Bühnenfassung des Dramaturgen John von Düffel zurückgegriffen. Die „Buddenbrooks“ sind durch ihre Parallelen zur aktuellen Weltwirtschafts- und Zivilisationskrise sowie der Frage nach dem Sinn der menschlichen Existenz ein zeitloser Stoff und die Premierenzuschauer erlebten einen souveränen Auftakt in die neue Spielzeit.

bis 19.9.
„Die Buddenbrooks“
20 Uhr, Grenzlandtheater

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Kategorie:
Theater

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