Eugen OneginPluszeichen

Klenkes-Kritik „Eugen Onegin“: Abgewiesene Liebe

Ludger Engels bringt eine starke Inszenierung von „Eugen Onegin“ auf die Bühne des Theater Aachen.

In Tschaikowskis Oper „Eugen Onegin“ trifft die verträumte Tatjana, die sich am liebsten in den Geschichten romantischer Bücher verliert, auf den erfahrenen, weltgewandten Onegin und erliebt sich in ihn. Nachdem sie ihm in einem Brief ihre Liebe gestanden hat, weist dieser sie zurück. Bei einem späteren Fest streiten sich Onegin und Lenski, der mit Tatjanas Schwester Olga verlobt ist, da Lenski eifersüchtig auf seinen Freund Onegin ist, der mit Olga flirtet. Bei dem folgenden Duell tötet Onegin Lenski. Jahre später trifft Onegin in Petersburg eine völlig veränderte Tatjana, die inzwischen mit Fürst Gremin verheiratet ist. Onegin verliebt sich plötzlich in Tatjana, die ihm nun als Inbild der höfischen, kultivierten Gesellschaft erscheint. Doch Tatjana, die ihn noch immer liebt, weist ihn zurück und beschwört ihre Treue zu ihrem Mann.
Ludger Engels inszeniert diese Geschichte in klaren Bildern vor dem Hintergrund eines funktionalen, ja kühlen Bühnenraum (Ric Schachtebeck). Ganz scharf abgetrennt präsentiert er die verschiedenen Akteure und Gruppen sowie deren Charakterzüge. Auf dem Landgut ihrer Mutter Larina ist Tatjana eindeutig die Außenseiterin, die sich eben lieber in Büchern vergräbt, als mit den anderen zu feiern. Ja selbst in der Familie steht sie alleine dar zwischen der Mutter, die an ihrer Liebe zu den Büchern verzweifelt, und ihrer feierfreudigen Schwester. Engels akzentuiert den Unterschied zwischen Tatjanas träumerischer Gedankenwelt und der harten, aber auch sinnesfreudigen Realität. Sehr schön ist das Symbol der jungen Birken, die gefällt und beschnitten werden; Engels nutzt dies quasi als Bildnis der jungen Träumerin, die zurecht gestutzt werden soll. Und dann lässt er Tatjana in die harte Wirklichkeit schleudern, nachdem sie von Onegin zurückgewiesen wurde. Die Szenerie am Hofe Fürst Gremins präsentiert Engels als eine gelangweilte, dekadente Gesellschaft, in der Tatjana sich souverän bewegt, ja gewissermaßen das Epitom dieser Gruppe ist. Und dieses Mal ist Onegin der Außenseiter, der seinen Gefühlen nachgibt und Tatjana mit sich reißen will. Insgesamt ist es eine kluge und durchdachte Inszenierung, die Ludger Engels mit Eugen Onegin auf die Bühne bringt, unterstützt durch die wunderbar passenden Kostüme von Julia Kaschlinski.
Musikalisch ist der Abend wieder einmal ein Genuss. Unter Daniel Jakobis Dirigat liefert das Sinfonieorchester Aachen einen Tschaikowski der jedem Anspruch gerecht wird, sei es in den melancholischen Stimmungen oder den mitreißenden romanischen Momenten der Partitur. Hrólfur Saemundsson gibt einen stimmlich perfekten Onegin mit gut geführtem und in den Höhen sicheren Bariton. Leider bleibt er jedoch darstellerisch blass und bietet nicht das Bild des romantischen Helden, in den Tatjana sich verliebt. Tatjana wiederum wird von Irina Popova erst liebreizend, verzweifelt und dann kühl souverän dargestellt. Auch sängerisch gelingt Popova eine sehr gute Leistung in dieser Partie, die endlich einmal wieder ihrem Fach entspricht. Yikun Chung ist ein Lenski aller erster Güte, der seine große Arie vor dem Duell stimmlich wundervoll und emotional gestaltet. Aus dem übrigen sehr guten Ensemble ragte noch Randall Jakobsh in seiner kleinen aber feinen Rolle als Gremin hervor, dessen Liebesode an Tatjana ans Herz ging. Wie immer noch ein Lob an die fantastischen Chöre unter Leitung von Frank Flade.

Tanja Sprungala

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