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Bühnenkritik: „Maria Stuart“

Das Grenzlandtheater inszeniert das Trauerspiel von Schiller um Maria Stuart, Königin von Schottland und Elisabeth Tudor, Königin von England.

Maria Stuart, in Schottland angeklagt an der Ermordung ihres Gatten mitverantwortlich zu sein, bittet Elisabeth in England um Asyl. Diese sieht in der von Männern umworbene Königin von Schottland jedoch einen Eindringling. So erwarten Maria zunächst der Kerker und schließlich das Schafott. Das Grenzlandtheater eröffnet und beendet das Trauerspiel Friedrich Schillers mit dem verzweifelten Ausdruck Elisabeth Tudors. Das bebende Gesicht entlarvend anvisiert vom kaltblauen Scheinwerferlicht, verkörpert sie Opfer und Täterin zugleich. Dem Zuschauer fällt es schwer sich auf die Seite der zu Unrecht verurteilten Maria Stuart zu stellen. Zu groß ist der Druck der Gesellschaft auf die vermeintliche Mörderin Elisabeth Tudor. Ihr Ringen um das Fällen der richtigen Entscheidung birgt so viel Verzweiflung in sich, dass der Zuschauer beinahe Mitleid mit ihr empfindet. Beide Figuren verbindet ein Schicksal. Sie sind weiblichen Geschlechts und müssen sich trotz ihrer adligen Abstammung in der Männerwelt behaupten. „Hat die Königin doch nichts voraus vor dem gemeinen Bürgerweibe!“ erkennt Elisabeth verdrossen. „Der Ring macht Ehen, und Ringe sinds, die eine Kette machen.“ Um das Überleben und den Wohlstand zu bewahren müssen Zweckverbindungen eingegangen werden. Das gilt für Maria ebenso wie für Elisabeth.
Die Inszenierung von Frank Voß stellt die wesentlichen Beweggründe für das Verbrechen dar: Missgunst und die Angst vor Verlust und Vernachlässigung treiben die Protagonisten zu der unmenschlichen und doch nachvollziehbaren Tat. Gekränkte Eitelkeit, Eifersucht, aber auch Liebe und Leidenschaft stehen im Fokus des Stücks. So wechseln sich schnelle, impulsive Szenen und langsame, nahezu lethargische Szenen ab. Die beiden royalen Rivalinnen Maria Stuart (Marie-Louise Gutteck) und Elisabeth Tudor (Alexandra Sydow) stellen auf eindringliche Art und Weise dar, dass Gefühle wie Neid oder Arroganz die eigene Seele zerfressen, am Selbstbewusstsein und an der Menschlichkeit zerren. Im meist ruhigen Spiel der beiden Protagonistinnen wird dieser Konflikt häufig über die Mittelsmänner ausgetragen. Während Maria ihren Wächter im Kerkerloch um Gerechtigkeit bittet, lässt sich Elisabeth von ihren Beratern am Hofe hin und her zerren. Mal empfindet sie Mitleid mit Maria, dann wieder sieht sie in ihr die Rivalin um die Gunst der Männer und den Thron von England.
Ein zermürbender Druck baut sich auf, den auch das Publikum empfindet. Im Saal herrscht bedächtige Stille. Graf von Leicester (Udo Thies) ist hin und her gerissen von der Anziehungskraft der hübschen Königinnen. Mortimer (Oliver Matthiae) hingegen ist der Stuart hoffnungslos erlegen und will diese ganz für sich. Wenn die zwei Gegenspieler um die Gunst der beiden mächtigen Frauen buhlen, erreicht ihr Schauspiel pulsierende Intensität. Dann endet eine Szene schon mal in wildem Geraufe und Gebrüll. Überschwängliche Gefühle beim Publikum bleiben jedoch aus. Die Inszenierung ist zu nüchtern und dies wird auch durch das puristisch anmutende Bühnenbild von Manfred Schneider unterstrichen. Die weißen, Leinwandbespannten Wände dienen einem Spiel mit Licht und Farben, das je nach Stimmung variiert. Produziert wurde ein eindringliches, beinahe zermürbendes Stück, da es schonungslos die ausweglose Situation aller Beteiligten darstellt.  /// Lenka Blaß

täglich bis 20.4.

„Maria Stuart“

20 Uhr, Grenzlandtheater, Aachen und verschiedene Orte

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