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Bühnenkritik „Clockwork Orange“: Hier kommt Alex

Das ChaOSTheater bringt „Clockwork Orange“ auf die Bühne: weniger brutal als im Film, aber genauso verstörend.

Die radikale Gesellschaftssatire „A Clockwork Orange“ machte 1962 Anthony Burgess schlagartig berühmt und ist spätestens seit der Verfilmung durch Stanley Kubrick im Jahre 1971 Kult.  
Alex, Anführer der Droogs, ist ein Schläger, der seine Befriedigung aus der Gewalt zieht. Er verbreitet mit seiner Gang Angst und Schrecken in seiner Stadt in einer nicht allzu fernen Zukunft. Brutalität, Gewaltorgien und Vergewaltigung stehen auf dem Programm, bis dass er nach einem Mord im Gefängnis landet. Um früher entlassen zu werden, nimmt er an einem Gehirnwäsche-Experiment teil, bei dem mittels der „Ludovico-Methode“ sein krimineller Trieb abgetötet werden soll. Er soll in ein funktionierendes Uhrwerk verwandelt werden, doch das Experiment läuft schief. Nach seiner Entlassung wird Alex vom Täter zum Opfer – das Blatt hat sich gewandelt.
Es ist ein essentieller Diskurs über Gewalt und die Konditionierung zum Gutsein, dessen Brisanz eine fortdauernde Aktualität ausmacht. Das ChaOSTheater bringt den provokanten Stoff mit einem riesigen Ensemble auf die Bühne. Doch die Inszenierung ist keine Hommage an Kubricks Film. Der Schwerpunkt des Regisseurs Reza Jafari liegt weniger auf der Brutalität, als viel mehr auf einer philosophischen Inszenierung, rund um die zentrale Frage: Wie oft läuft unser Leben wie ein Uhrwerk?
„Wir werden am Film gemessen, der ist krasser und brutaler. Uns geht es aber darum, eine Message rüber zu bringen: Wenn es denn einen freien Willen gibt, dann hab ich das Recht, mich für Gut oder Böse zu entscheiden – mit allen Konsequenzen“, erklärt Ausnahmetalent Stefan Heiner aka Alex, der seiner Intention gerecht wird. So ist beispielsweise die Vergewaltigungsszene stark verfremdet und damit jugendfrei, doch schafft es Heiner die verloren gegangene Brutalität zumindest sprachlich wie stimmlich hervorragend zu verkörpern. Besonders eindrucksvoll ist ebenfalls die Authentizität, mit welcher Frank Keß den Kaplan spielt. „Vielleicht ist es gar nicht schön gut zu sein. Vielleicht ist einer, der sich für das Böse entscheidet besser als einer, dem das Gute aufgezwungen wird“, philosophiert er, als Alex sich für das Experiment entscheidet bis er zum Schluss resigniert feststellen muss „jetzt ist er nur noch eine Maschine.“
Das Ensemble schafft es eine starke Inszenierung mit eigener Ästhetik zu erschaffen. Die Liebe und der Fluch der Beethoven-Musik des Protagonisten wird besonders durch die musikalische Untermalung des Stücks (Musikalische Leitung: Heribert Leuchter) mit Chor und Opernsängerin unterstrichen. Gerade das wiederholte Auftreten der Opern-Sängerin schafft die nötige absurde Atmosphäre und hat Ohrwum-Tendenzen. Eine wahre Augenweide von Bühnebild, über Kostümarrangements und laienschauspielerischer Glanzleistung. Sehr sehenswert! 

Sonja Ceri

14., 16., 23., 25., 28. und 30.4.
„Clockwork Orange“
je 19.30 Uhr, Bürgerzentrum St. Fronleichnam
chaostheater.de
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Bühne

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