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Bühnenkritik „VaterMutterKind M/F“: Gebrüll, Gewalt, Verwirrung

Marc Lippuner inszeniert die verstörende Uraufführung zum Schauspiel „VaterMutterKindM/F“

„Und du hast gesagt: Ihr sollt Mama und Papa sein. Und die beiden haben gelächelt. Und du hast gesagt: Ab heute sind wir eine Familie. Ab heute sind wir nie mehr alleine. Ab heute gibt es für uns ein zu Hause. Ab heute wird es nie mehr dunkel sein.“
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit bewegt sich das Experiment, das zwei Kinder mit ihren vermeintlichen Eltern wagen. Die Kinder bestimmen die Regeln und die Verhaltensmuster, die sie gerne an den hochstilisierten Eltern sehen möchten. Vater und Mutter kuschen, um dem Zorn und der Gewalt der Kinder zu entgehen. Kind F, ein klammerndes, dominantes und zugleich infantiles weibliches Wesen, kämpft zwischen Impulsivität und Instabilität um Aufmerksamkeit und Liebe der Eltern. Während „Kind M“, der „Schizo, der sein Leben nicht gebacken bekommt und gern Familie spielt“ die Figuren der Familie, wie auf einem Schachbrett aufstellt und sie dazu zwingt, heile Welt und glückliche Familie vorzutäuschen. Nach und nach wird deutlich, dass hier ein Experiment mit unerreichbarem Ziel stattfindet. Regisseur Marc Lippuner versucht mit distanziertem Blick auf familiäre Konstellationen und innerfamiliäre Dynamik zu werfen.
Am stärksten spielt an diesem Abend Thomas Hamm als Vater, er schafft es durchweg, Ernst und Tragik zu vermitteln. Stefanie Dischinger als Mutter hat einige Flashbacks auf die Bühne zu bringen, zu Beginn schafft sie dies sehr authentisch, doch gerät sie im Laufe des Stücks des öfteren ins Hintertreffen und wirkt neben dem starken Vater wenig ausdrucksstark.
Die inzestiös anmutende Szene, in der Bruder und Schwester ihre Innigkeit durch Streicheleinheiten sowie einen Kuss verdeutlichen wollen, erinnert den Zuschauer eher an eine Soap-Szene und wirft die Frage auf, ob Robert Seiler und Franziska Lehmann in den Rollen der beiden Kinder tatsächlich hier als Eckpfeiler des Stücks funktionieren.  
Am Ende bleibt die Frage: Warum tut man sich diesen Moral-Masochismus an? Zu Vater/Mutter/ Kind gehört Gebrüll, Gewalt und Verwirrung. „Was tun wir jetzt? Wir haben uns lieb und sind eine Familie!“

Sonja Ceri

Termine im April
1., 10., 24. und 30.4.
„VaterMutterKindM/F“
20 Uhr, Theater Aachen, Mörgens

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Kategorie:
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