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Bühnenkritik - „Kassandra“: Allein auf der Bühne

Aachen, Theater K in der Bastei

Am 8. September war im Theater K Premiere von „Kassandra“. Victor-Joe Zametzer liefert die Ein-Mann-Bühnenfassung des Romans von Christa Wolf. Eine Kritik von Klenkes-Autor Sebastian Dreher.

Der Stoff der griechischen Mythologie ist seit jeher wie geschaffen für die Bühne: viele Charaktere, viel Schicksal, viel Tragik. Der junge Regisseur Victor-Joe Zametzer reduziert in seiner Inszenierung „Kassandra“ (nach einer Vorlage von Christa Wolf) die handelnden Personen auf das Minimum und lässt dadurch den Zuschauer nur mittelbar durch Rückschau am Geschehen des Trojanischen Krieges teilhaben.
Die Geschichte in Kürze: Kassandra, die Tochter des Trojanischen Königs Priamos, verschmäht den in Liebe zu ihr entbrannten Apollon. Ein Sohn des Zeus kann so etwas nicht auf sich sitzen lassen und verflucht Kassandra, nachdem er ihr vorher die Gabe verliehen hat, in die Zukunft zu schauen. „Du sprichst die Wahrheit, aber niemand wird dir glauben!“ Die schöne Adlige wird fortan wegen ihrer schrecklichen Voraussagen für verrückt erklärt. Nach dem Sieg der Griechen wird sie die Leibsklavin des Agamemnon (in dieser Zeit spielt das Stück), sieht dessen Ermordung durch Klytämnestra voraus und wird daraufhin von dieser erdolcht.
Petra Zwingmann als Kassandra greift in ihrem Monolog auf alle erdenklichen Ausdrucksmittel zurück, sie schreit und windet sich, dann dreht sie dem Publikum verzweifelt den Rücken zu, um dann laut auflachend ihren Peiniger Agamemnon als „Trottel“ zu bezeichnen. Ihre Kassandra schwankt zwischen Witz und Gram, Willenstärke und Mutlosigkeit, Hoch- und Demut. Ein dreistufiger Block, ein Umhang und ein Deckbett – auf diese Utensilien kann Zwingmann zurückgreifen, ansonsten hat sie nur ihre Ausdrucksstärke und ihre Stimme. Diese versagt ihr leider hin und wieder, kleinere Versprecher bringen sie aus dem Tritt und lassen die Zuschauer für kurze Zeit aus ihrem Bann. Einen Höhepunkt bildet die Tempelschmähung durch „Achill, das Vieh“. Zwingmann berichtet von der Ermordung des Troilos durch den archaischen Griechen mit leiser und vor fassungslosem Entsetzen in sich zusammengefallener Stimme.
Zwingmanns Auftritt wird vom Publikum mit langem Applaus bedacht, der sicherlich auch dem gewagten Ansatz der Inszenierung gezollt ist.

Sebastian Dreher

10., 11. und 12.9., 15., 17., 18., 19.9.
„Kassandra“
20 Uhr, Theater K

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Kategorie:
Bühne

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