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Die Entdeckung der Lässigkeit

Längst mehr als ein Ort fürs kurze Verweilen ist die „Raststätte“ in Aachen. Selbige hat es sich zumindest nun seit 15 Jahren in Aachen gemütlich gemacht, was am 24. Juli ein Grund zum feiern war.

In Kindertagen waren Raststätten kleine Oasen auf sechsstündigen Autobahnfahrten in brütendheißen Opel Kadetts, noch ein letztes Mal pausieren bevor man „durchfährt!“. So gesehen könnte man die Namensgebung der Aachener Raststätte, die in diesen Tagen 15-jähriges Bestehen feiert, beinahe als Understatement bezeichnen, kann man dort doch mehr erleben als einen Zwischenstopp im städtischen Nachtleben. Trudelt man etwa am Abend 20 Minuten nach Veranstaltungsbeginn ein, wird das dem späten Gast nicht krumm genommen – weder an der Kasse noch hinter dem Mikrofon. Vielmehr hievt man zusätzliche Stühle über die lauschenden Köpfe hinweg, unkompliziert und selbstverständlich. Mit diesen beiden Eigenschaften lässt sich der Treffpunkt in der Lothringer Straße recht passend umschreiben. Ob Konzerte, Filmvorführungen, Podiumsdiskussionen oder Poetry Slams: das ehemalige Ladenlokal bietet auf gut 70 Quadratmetern Raum für originelle Ideen. Und in der Tat handelt es sich bei dem beliebten Kulturquartier um genau einen Raum, ausgestattet mit PVC-Boden und Sitzgelegenheiten, die an Schulzeiten erinnern. Eine tatsächliche Bühne gibt es nicht, dafür unverputzte Wände. Der so oft beschrieene „Charme des Unfertigen“ berlinert seit Urzeiten durch die Kulturlandschaften – auch die Aachener Raststätte wird gerne mal gedanklich nach Kreuzberg oder Prenzlauer Berg verfrachtet.Doch Bio-Limonaden-Ausschank allein kann nicht für wohnliche Idylle sorgen – zumal es solcherlei Getränkewünsche vor 15 Jahren noch nicht gab. Seit 1995 nämlich ist die Raststätte Anlaufstelle für all jene, die „ihr Kunstding“ durchziehen, sich mitteilen oder einfach unterhalten möchten. Die unterschiedlichen Veranstaltungsreihen zeigen, dass viele Künstler in der Lothringer Straße 23 eine (kreative) Heimat gefunden haben. Dies gilt auch für ein Publikum, das sich nicht so schnell kategorisieren lässt. Klar ist nur: Niemand zahlt am Eingang mehr als vier Euro – egal ob Lesung, kleine Kunst oder großartige Band. Dieses Prinzip verdeutlicht, dass den Machern der Raststätte kulturelle Unterhaltung wichtiger ist als deren Erlös. Daran wird sich auch in den nächsten 15 Jahren nichts ändern.


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