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Kultivierte Eröffnung der Joos van Cleve-Ausstellung in der Adalbertskirche.

Auch hier wars voll. Ein etwas gediegenerer Andrang, in dem die Kategorien von Höflichkeit, Geduld und Achtungsabstand durch Raumkapazitätengrenzen geprüft wurden, aber der Kenner weiß um die Nachteile überfüllter Museumsräume. Ein wenig WSV gegen VIP mag dem ETC aufgestossen sein, aber es gab da ja ein erfrischend zugängliches Angebot an Einführungsfilm, in dem auch viel Kennerschaftliches ans Licht kam. Was da an profundem Wissen von den Rittern der Tafelrunde kundgetan wurde, entbehrt nicht der Inszenierung, lag aber auf einem hohen Niveau locker rübergebrachter und für ein Sammlerpublikum adäquat aufbereiteter Kunstforschung. Auf unterhaltsame und gut nachvollziehbare Weise wird hier Arbeits- und Denkweise jenes klassischen kunsthistorischen Forschungssektors deutlich, in dem es um Zuordnung, Händescheidung, kritische Bewertung von Quellen und verständliche Freude über die Entdeckung und Zusammenführung getrennter oder verlorener Werke geht.
Ein hervorragender Maler war Joos van Cleve ohne Zweifel, bzw. auch seine Werkstatt, die als Team von Spezialisten die enormen Auftragsmengen bewältigte. Aber man muss nicht weinen, weil man sich vom Originalitätsanspruch an einen Einzelkünstler verabschieden muss. Das ist am Ende doch nur ein Marktkriterium aus der Geniekultzeit.
Neben der durch Sponsoren, Kuratorinnen- und Direktorenkontakte erwirkten Menge von 60 Werken zeichnet diese Sonderschau auch die Vergleichsmöglichkeit zwischen den Bildern aus, die nicht klassisch chronologisch, sondern in Themengruppen gehängt wurden (u.a. Porträts, religiöse Bilder). Die Hereinnahme von zeitgenössischen Kopien verlorener Werke von Leonardo da Vinci macht dessen Vorbildfunktion deutlich, der Joss van Cleve aber durchaus zu folgen wusste und schließlich mit merkantilem Pfiff – ähnlich den spitzbübischen Engeln aus Raffaels Sixtinischer Madonna – ein vielfältig vereinzelbares Motiv in den sich küssenden und herzenden Säuglingskindern Christus und Johannes fand. Wie schwul das denn sein könnte, wäre vielleicht auch ein Deutungsgespräch wert. So wirft auch die Alte Kunst Fragen über Fragen auf und erweist sich nicht notwendig als verstehbarer und eingängiger als Zeitgenössische. Allein die Aura von Kultur und Internationalität ist etwas raunender, die empfinden zu können, für Museum, Stadt und Besuchern eine schöne Erfahrungsbereicherung ist. Denn dieses Flair erleichtert in der Aussenwirkung bei Sammlern und hochrangigen Museen überhaupt nur noch die Ausleihe qualitätvoller Werke, die man hier in guten Händen weiss.

Text: Dirk Tölke

bis 26.6.
Leonardo des Nordens - Joos van Cleve
Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen

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Kategorie:
Kunst

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