Niederlagen gehören beim Fußball einfach dazu. Jeder Fan wird das bestätigen können. Schließlich verlieren selbst die ganz großen Vereine hin und wieder ein Spiel.
Als Anhänger eines vergleichsweise kleinen Klubs entwickelt man im Laufe der Karriere sogar derart viel Routine, dass man auch derbsten Klatschen noch etwas abgewinnen kann. Immerhin hat sich keiner verletzt. Oder eben doch. Manchmal bleibt ein Trainerrauswurf als positiver Nebeneffekt. Oder eben nicht. Und wenn keine Köpfe rollen, bietet immerhin nichts mehr Gesprächsstoff als eine ordentliche Schlappe. Gerade bei der Alemannia, Heimstatt der notorischen Mauler, fällt ein solches Angebot auf fruchtbaren Boden. Andernorts wird bei ähnlichen Gelegenheiten Eisenstangen schwingend über den Rasen getobt. In Aachen diskutieren sich lieber wildfremde Menschen miteinander die Seele aus dem Leib.
„Typisch Aluminium!“
Und Ehre, wem Ehre gebührt: Die Ursachen für eine verlorene Partie kurz nach dem Abpfiff über eine geschwollene Halsschlagader hinweg auf den Punkt zu analysieren, bekommt nicht jeder hin. Da können alle so genannten TV-Experten einpacken. Auf dem Heimweg wartet dann erst das wirklich wahre Kennertum. Heerscharen von scheinbar teilnahmslosen Passanten beweisen immer wieder, dass man für eine zünftige Fachsimpelei nicht einmal das Spiel gesehen haben muss. Beim Anblick eines schwarz-gelben Schals erwachen sie aus ihrer Lethargie. „Wie haben sie gespielt? 3:1 verloren? Typisch Aluminium!“ Die Nachricht von einem Sieg verkürzt solche Gespräche um einiges. Kein Wunder. Selbst aus zweiter Hand macht Maulen eben nur nach verlorenen Spielen so richtig Spaß.
Christoph Löhr ist Redakteur und Mitherausgeber
des Alemannia-Fanzines IN DER PRATSCH.
Kategorie:
Kurvendiskussion