Gut ein Jahr spielt die Alemannia im neuen Stadion. Und langsam aber sicher setzt bei den meisten Anhängern ein Gefühl der Sorte „Hier kenn ich mich“ ein.
Vorbei ist die Zeit, da man sich daheim wie bei einem Auswärtsspiel vorkam. Inzwischen hat nahezu jeder Dauergast seine eigene Parzelle gefunden, das Revier abgesteckt und die umstehenden Menschen beschnuppert. Freundlich nickt man sich beim Betreten des Blocks zu. Einmal gemeinsam ein Tor bejubelt oder den Schiedsrichter beschimpft, gehören die Nachbarn ohnehin nicht mehr in die Kategorie wildfremd. Die allgemeine Aufbruchstimmung tut ihr übriges dazu, dass der Wohlfühlfaktor steigt. Selbst den Komfort einer Komplettüberdachung verdammen nur noch die hartgesottensten Nostalgiker. Zwar fehlt der vertraute Blick auf den Lousberg. Dafür muss am Ende einer Regenschlacht aber niemand sickenass nach Hause zittern.
Ein landendes Ufo
Eine Sache gibt es allerdings, mit der sich die Fans nicht anfreunden können: die Reklamebeschallung während des Spiels. Natürlich muss der Rubel irgendwoher kommen, bevor er rollen kann. Aber beim akustischen Ringen um die Aufmerksamkeit der Zuschauer übertreiben es die Werbepartner. Als Ergebnis kracht, pfeift und zischt es in unschöner Regelmäßigkeit aus den Boxen. Zwischenstände von anderen Plätzen werden durch ein landendes Ufo angekündigt. Bei Auswechslungen fährt ein Bus vor, der in Sachen Lautstärke einem Manowar-Konzert gleichkommt. Immer wieder deutet zudem ein Laserschwert an, dass in Kürze Spielstatistiken bar jeder Aussagekraft auf der Leinwand auftauchen werden. In solchen Momenten schauen sich ex-wildfremde Nachbarn kopfschüttelnd an. Und manch einer kommt sich plötzlich wieder vor wie bei einem Auswärtsspiel. /// cl
Christoph Löhr ist Redakteur und Mitherausgeber des Alemannia-Fanzines IN DER PRATSCH.
Kategorie:
Kurvendiskussion