Alemannias Trainer Peter Hyballa hat wirklich nicht ahnen können, was er mit diesem Satz lostreten würde.
Vor dem Spiel beim hohen Favoriten Hertha BSC im vergangenen Oktober nach Anzeichen von Nervosität in der Truppe befragt, verglich er seine Jungs mit Straßenkötern, die eine solche Situation nicht belaste. Dankbar stürzte sich die Presse auf dieses Bild. Nur eine Handvoll Variationen über das Thema später hatte das Team einen neuen Beinamen weg. Jahrzehntelang hatten die Schwarz-Gelben unter „Kartoffelkäfer“ firmiert. Nun waren sie im Handumdrehen zu einer Meute bissiger Tölen mutiert. Tatsächlich passt die Bezeichnung wie die Faust aufs Auge. Aggressivität, Einsatzwille, Laufbereitschaft: Anschaulich fasst sie all die Tugenden zusammen, die in Aachen von jeher zum Fußball dazugehörten. Und die man dank der aktuellen Mannschaft endlich wieder zu sehen bekommt.
Streuner, Niete, Wuff Wuff
Im Grunde könnte also alles in bester Ordnung sein. Nur wird der an sich schöne Vergleich derzeit arg strapaziert. In schöner Regelmäßigkeit wird er in der Berichterstattung bemüht. Längst hat man die Einlaufmusik bei Heimspielen straßenkötertauglich gemacht. Selbst die Neuzugänge im Winter mussten sich bei ihrer Vorstellung auf die entsprechenden Eigenschaften abklopfen lassen. Es wäre ein Wunder, würde ausgerechnet die Marketingabteilung der Alemannia diese Gelegenheit ungenutzt vorüberziehen lassen. Der nächste Fanartikelkatalog dürfte es in sich haben. „Streuner“-T-Shirt, Nietenhalsband und „Wuff Wuff“-Schal scheinen nur noch einen Postwurf entfernt. Spätestens dann wird das Straßenköterimage überreizt sein. Eigentlich schade. Behutsam gepflegt, hätte es eines Tages vielleicht sogar dem Kartoffelkäfer den Rang ablaufen können.
Text: Chrisoph Löhr
Foto: Carl Brunn
Christoph Löhr ist Redakteur und Mitherausgeber
des Alemannia-Fanzines IN DER PRATSCH.
Kategorie:
Kurvendiskussion