Irgendwie muss mir wohl das Passwort zur ran-Datenbank abhanden gekommen sein. Daher habe ich eine passende Statistik derzeit nicht parat.
Aber auch ohne es mit Zahlen belegen zu können, werde ich ein Gefühl nicht los, das mich schon früh in meiner Fankarriere erstmals beschlichen hat: Die Alemannia meint es gut mit schwächelnden Gegnern – viel zu gut. Etliche Male habe ich schon erlebt, dass Teams mit dem Rücken an der Wand auf dem Tivoli aufgelaufen sind, um sich dann aus der Krise zu ballern. Regelmäßig kommen die Schwarz-Gelben irgendwelchen Abstiegskandidaten sehr gelegen. Oder ladegehemmten Stürmern. „Eure Nummer Neun hat seit einer Ewigkeit nicht getroffen? Kommt am Wochenende nach Aachen, wir regeln das schon. Oder bleibt einfach da. Dann kommen wir.“ Die Aufbauhilfe aus dem tiefsten Westen macht auch Hausbesuche.Unbezahlbarer kollektiver Irrtum
Deswegen bereiten mir Partien gegen Tabellenkellerkinder immer Bauchschmerzen. Während sich andernorts Anhänger auf das Feiern eines Schützenfestes vorbereiten würden, taumle ich von einer bösen Vorahnung in die nächste. Offensichtlich bin ich für eine Favoritenrolle meines Lieblingsvereines einfach nicht gemacht. Den Spieltag deswegen sausen zu lassen, kommt trotzdem nicht in Frage. Alleine schon das gemeinsame Unken mit Gleichgesinnten vor dem Anpfiff ist das Eintrittsgeld wert. Das tolle Gefühl, sich kollektiv geirrt zu haben, ist ohnehin unbezahlbar. Auf die Tour kann man selbst so genannten Pflichtsiegen noch große emotionale Momente abringen. Und wenn der Kick tatsächlich in die Hose geht, hat man immer noch das klassische „Hab ich doch gesagt!“ in der Hinterhand. Das ist zwar nicht so schön wie Gewinnen, aber allemal besser als ein total langweiliges Schützenfest.
Foto: Carl Brunn
Text: Christoph Löhr
Kategorie:
Kurvendiskussion