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Vor 30 Jahren wurde das Johannes-Höver-Haus besetzt: eine Dokumentation.

Aachen war vor 30 Jahren politisch eine andere Stadt. Gegenüber dem, was damals an Maximen im Aachener Rat kursierte, wirkt die immer noch dominierende CDU von heute weichgespült und angegrünt.

Eine prägende Erfahrung für viele aktive Zeitgenossen begann 1980 mit einer Hausbesetzung am Templergraben, weitere folgten. Der Zeitgeist war bundesweit auf Aktion gebürstet. In Städten mit einem etablierten alternativen Milieu schritt man gegen Grundstücksspekulation zur Tat.
Die Entwicklung kulminierte in Aachen 1981 im Konflikt um das Johannes-Höver-Haus, einem ehemaligen Kloster am Fuße des Lousbergs. Die Nutzung als Jugendheim war aufgegeben, das Haus selbst an eine Investmentgesellschaft verkauft. Prekärerweise gehörte diese zu 50 % der evangelischen Kirche. Abriss und Ersatz durch Luxuswohnungen in Hanglage waren geplant. Gleichzeitig herrschte nicht nur in studentischen Kreisen eine hohe Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum. Als die Abrissbagger anfingen, rückten am 22. Mai 1981 Demonstranten an, legten die Maschinen still und richteten sich im Haus ein.   
Ein zähes Ringen begann. Durch Öffentlichkeitsarbeit wurde Druck auf den Investor und die örtliche Politik ausgeübt, Lösungen für den Erhalt des Hauses zu suchen. Die evangelische Kirche zog sich aus dem Projekt zurück. Ein Förderverein und renommierte Persönlichkeiten wie Bischof Scharf warben um Akzeptanz. Selbst die Polizei zeigte anfänglich diplomatische Zurückhaltung. Am 27. August eskalierte die Situation und brachte Aachen bundesweite Schlagzeilen ein. Der Investor hatte in Köln einen Trupp Arbeitsloser gegen 45.000 DM Pauschalhonorar angeheuert. Um fünf Uhr früh stürmten sie das Höver-Haus und schlugen alles kurz und klein: Fenster, Türen, Sanitäreinrichtungen. Ein unglaublicher Vorgang. Unglaublich war aber auch die folgende Welle der Solidarität. Wagenweise wurden Altglas und Baumaterialien zur Wiederinstandsetzung des Hauses gespendet.
Die Höver-Haus-Besetzung war auch ein soziales Experiment, ein utopischer und vergeblicher Traum von einer „befreiten Zone“ des alternativen Milieus. Im Mikrokosmos dieser geordneten Anarchie war vieles möglich, kreative Energie wurde frei, aber auch innere Konflikte. Klaus Paier, der Aachener Wandmaler, und sein Freund Josef Stöhr erstellten das große Wandbild „David und Goliath“ in der Apsis der Kapelle, erhalten nur noch auf Fotografien. Nicht nur strebsame Studenten lebten dort, sondern auch Menschen mit gebrochenen Biografien, die sich nur zeitweise fingen. Das Ende des Experiments kam durch polizeiliche Räumung und Teilabriss. Jahre später dann der Umbau. Die Consulting AG ging in Insolvenz. Johannes Kube, damals Ausländerreferent der ESG, hat sich die Mühe gemacht, eine umfangreiche Dokumentation zu erstellen. Den Zeitzeugen wird sie heiße Herzen bereiten. Das Stadtarchiv wird um ein Stück Stadtgeschichte reicher.  ///    Hans-Jürgen Serwe

7.2.
Johannes Kube: Tatort Höver-Haus.
Aachener Modell einer Klosterbesetzung – Dokumente und Geschichten.
19 Uhr, KuKuk

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Stadtgespräch

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