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„Immer die Anwendung im Hinterkopf“

Vor 40 Jahren schlossen sich fünf Aachener Lehrinstitutionen zusammen und gründeten mit der FH Aachen eine Einheit, die für praxisnahe Lehre und Forschung steht. Klenkes-Autorin Sabine Hausmann sprach mit dem amtierendenden Rektor Prof. Dr. Marcus Baumann über eine Institution mit ebenso viel Eigencharakter wie ihr oberster Repräsentant.

Professor Baumann, wie entwickelte sich damals das Konzept „FH Aachen“?

Vor 100 Jahren gab es bereits königliche Ingenieurschulen. Der deutsche Ingenieur ist auch heute wie damals so traditionsbewusst, dass er das Werkzeug immer noch selbst in die Hand nimmt. Mit der Idee der Fachhochschule wollte man einerseits das praxisnahe Ingenieursstudium ausbauen und andererseits erreichen, dass sich die verschiedenen Einheiten durch den Zusammenschluss gegenseitig stärken. Man wollte aber auch den gestiegenen theoretischen Anforderungen Rechnung tragen.      

Was raten Sie Studierenden, wenn es heißt ‚FH oder Uni‘?

Wer heute schon weiß, dass er morgen eine rein wissenschaftliche Karriere einschlagen und z.B. Professorin oder Professor werden möchte, der ist an einer Universität besser aufgehoben. Wer aber in den Beruf möchte und sich dennoch die Möglichkeit zu forschen offen halten will, für den ist die FH ideal. Viele haben das heute schon erkannt: Nachdem am Anfang unter 10 Prozent mit Abitur an den Fachhochschulen studierten, sind es heute schon über 50 Prozent aller Studierenden. Ich begrüße sehr, dass es inzwischen eine Fülle weiterer Zugangsmöglichkeiten gibt.

Wie steht es heute um die Anerkennung der FH-Abschlüsse?
Die Anerkennung unserer Abschlüsse im Ausland ist gar kein Problem, und auch im Inland haben sich seit dem Bologna-Prozess die Unterschiede zu universitären Abschlüssen deutlich verringert. Anders als bei den meisten Universitäten ist der Bachelor-Abschluss an den FHs berufsqualifizierend. Wir bilden direkt für den Arbeitsmarkt aus, und deshalb gibt es in den Fachbereichen mittlerweile Industriebeiräte. Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass unsere Studierenden für einen möglichst direkten Einstieg in das praktische Berufsleben ausgebildet werden.   

Was zeichnet die Forschung an der FH aus?

Mein Credo lautet: Sie können nur ausgezeichnet lehren, wenn Sie auch Forschung betreiben. Dennoch wurden die Schwerpunkte bei der FH-Forschung anders gesetzt als bei Universitäten. Ziel unserer Forschung ist es, innovative Ideen in die Anwendung umzusetzen, dabei werden mitunter Aspekte der Grundlagenforschung berührt. Wir haben die Anwendung immer im Hinterkopf.

Was sehen Sie, wenn Sie in die Zukunft der FH Aachen blicken?

Qualität, Qualität, Qualität. Neben der Konsolidierung unserer jetzigen Bereiche müssen wir weitere marktorientierte Studiengänge entwickeln. Wir denken auch über die Einführung von Teilzeitstudiengängen nach. In diesem Wintersemester startet der duale Studiengang Physiotherapie in Kooperation mit der RWTH und dem Universitätsklinikum. Und auch die Richtung zu den Rechtswissenschaften möchten wir auf jeden Fall einschlagen. Ich bin überzeugt, die besten Lehrerinnen und Lehrer werden zukünftig die FHs ausbilden. Im Allgemeinen wird es – meiner festen Überzeugung gemäß – das Binärsystem Uni-FH und die Qualitäts-Konkurrenz in Zukunft so nicht mehr geben. Junge Menschen, die ein fundiertes und praxisnahes Studium planen, sind bei uns genau richtig.

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