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Energie-Zehnkampf

Das “Counter-Entropy“-Team der RWTH konzipiert und baut für den Wettbewerb „Solar Decathlon Europe“ ein Null-Energie-Haus.

Bei dem Wort Zehnkampf denkt man als erstes an Turnschuhe, schweißnasse Handtücher und jubelnde Menschen. Der Solar Decathlon Europe, an dem sich ein Team aus Studierenden der RWTH Aachen beteiligt, hat jedoch nichts zu tun mit Kugelstoßen, Hürdenlauf und Weitsprung. Bei diesem Contest präsentieren Studierende von 20 Universitäten aus über 14 Ländern ihre verwirklichten Entwürfe für ein „nachhaltiges Wohnkonzept für zwei Personen (…), das sich durch energieeffiziente Technik und die Eigenproduktion von Solarenergie auszeichnet“, wie es auf der Homepage des „Counter Entropy“-Teams der RWTH heißt. Und „verwirklicht“ bedeutet, dass die Entwürfe nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern das Haus wirklich errichtet wird. Präsentation der Arbeiten ist im September 2012 in Madrid, doch vorher wird das Gebäude in einer Halle auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich aufgebaut.
„Im April beginnt die Bauphase“, erklärt René Lierschaft, Architekturstudent und seit 2010 bei dem interdisziplinären und -fakultativen Projekt dabei, das seinerzeit von Professor Peter Russell ins Rollen gebracht wurde. Anderthalb Jahre sind zu diesem Zeitpunkt schon für die technische Planung ins Land gegangen. Das Team der RWTH besteht in seinem Kern aus etwa 25 bis 30 Studierenden verschiedener Fakultäten, neben Architekten sind auch Maschinenbauer, Bauingenieure und Informatiker dabei. „Wir können so alle Ressourcen nutzen“, so Lierschaft.

Das „Counter Entropy House“
Nach dem Motto „weniger verbrauchen, als erzeugt wird“ ist das „Counter Entropy House“ als Null-, bzw. Plus-Energiehaus geplant. Eine 144 Quadratmeter große Dachscheibe ist komplett mit Photovoltaikanlagen und Wärmeröhrenkollektoren bedeckt, die Strom und Wärme liefern. Überschüssige Energie kann so wieder in den Kreislauf gespeist werden.
Der offen gestaltete Wohnbereich besteht aus einem großen Raum, der in voneinander abgetrennte Zonen unterteilt ist. Nach dem Prinzip des modularen Bauens steht jeder der fünf Blöcke für eine Wohnfunktion und ist durch Hausteile erreichbar, die durch Glasfenster eingerahmt sind. „Diese Fenster sind komplett in die Blöcke einfahrbar“, so Lierschaft. „Dadurch ist kein klarer Übergang mehr zwischen Innen- und Außenbereich erkennbar.“
Dach, Boden- und Wandelemente, aber auch die eingesetzten Möbel, werden oder wurden von Fachfirmen der Euregio in Zusammenarbeit mit den Studierenden hergestellt. Das hat zwei Vorteile: erstens kommt das Fachwissen externer Spezialisten zum Einsatz, zweitens erhalten die beteiligten Studierenden einen Einblick in die Arbeit. Denn letztendlich müssen sie bei der Endmontage in Jülich und natürlich bei der Präsentation in Madrid über genügend Know-How verfügen, um alle Teile in Eigenarbeit zusammensetzen zu können.

Der Wettbewerb
„In Spanien haben wir zehn Tage Zeit, das Haus zu errichten“, sagt Lierschaft. „Länger nicht.“ Da zahlt es sich aus, wenn man mit jedem Detail vertraut ist. Eine logistische Herausforderung ist bereits der Transport der einzelnen Teile. Ganze sieben Mega liner-LKW sind dafür nötig.
Wenn alles klappt wie geplant, können sich die RWTHler drei Wochen lang mit Teams aus der ganzen Welt messen. Zehn Disziplinen, etwa architektonisches Konzept, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, entscheiden darüber, welches Haus letztendlich das Rennen macht. Während der dreiwöchigen Wettbewerbsphase wird das Haus
einem Fachpublikum sowie der Öffentlichkeit präsentiert.
Dem Gewinner winken keine Sach oder Geldpreise – bei dem Wettbewerb ist der Weg das Ziel. „Wir Studierende können wertvolle Praxiserfahrungen sammeln“, sagt Lierschaft. „Dazu hat man während des Studiums wenig Gelegenheit.“ Ob sich das „Counter Entropy House“ nun durchsetzen kann oder nicht – das Team ist von seinem Konzept überzeugt. Und eins ist jetzt schon sicher: es hat einen Riesen-Spaß gemacht.

/// Sebastian Dreher

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