Back to Basics, oder: zurück zu dem, was die Chemical Brothers live ausmacht. Keine Gastsänger, purer Sound, kein Pop, sondern Rave.
Und so huldigt man auf Albumlänge der bewusstseinsvereinnehmenden Wirkungen elektronischer Musik. Und mit welchem Elan die Brüder zu Werke gehen! „Escape Velocity“, dieses 12-Minutenmonstrum zu Beginn, ist eine vollgestopfte Autobahn elektronischer, psychedelischer Sounds, und wimmelt nur so vor musikalischen Fußnoten eines Paralleluniversums. Nur eine von vielen: Kraftwerk, die lächeln; sich mit Schlamm beschmeißen und auf Abfahrt aus sind. Danach muss erst mal gechillt werden, „Midtempo“ ist nicht mehr, als sein Titel. Doch dann der nächste Kracher aus einer anderen Dimension: Pink Floyd mit Syd Barrett haben den Rare Groove entdeckt, am Solo-Synthie Wendy Carlos. Und das Schöne ist: Wie kaum ein anderer Act dieses Genres versprühen die Chemical Brothers nach all diesen Jahren im Musikgeschäft immer noch einen spitzbübischen Spaß an der Musik. Nicht alles ist auf diesem Album so gelungen wie die beiden Ausnahmetracks, denn manchmal geht mit den Brüdern die Chemie doch ein wenig durch, und sie produzieren Musik, die nur in entsprechendem Zustand und um die entsprechende Uhrzeit wirkt. Aber das mag, wie beim ganz normalen Popsong an der Stimme, hier an den verwendeten Sounds liegen. Da wirken in diesem Fall mollige Analog-Synthies und warme Krautrockgrooves einfach sympathischer, als die 5-Uhr-Morgens-Vollbedienung.
(Parlophone/EMI)
Karl Koch
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