Wäre Metropolis kein Stummfilm, und Janelle Monáe kein Mensch aus Fleisch und Blut, man könnte meinen eine Roboterfrau hätte den Soundtrack zu Fritz Langs Filmjuwel neu vertont
Metropolis: The Chase Suite hieß Ms. Monáes vorausgeschickte EP, Fritz Langs legendären Stummfilm verehrt sie - und wenn man sich „The Archandroid“ anhört, könnte man sie glatt für eine Reinkarnation des Maschinenmenschen halten. Wie anders als mit übermenschlicher Manipulationskraft hätte sie jemanden wie P. Diddy davon überzeugen können, sie unter Vertrag zu nehmen? Statt auf kurze Röcke und Black-Music-typische sexorientierte Selbstvermarktung setzt die ehemalige Musicalstudentin auf androgynes Auftreten im Smoking und entfesseltes Spontantanzen. Vorschreiben lässt sie sich nichts, werkelt lieber im selbstgegründeten Künstlerkollektiv. Sich von den üblichen Produzenten den üblichen Sound schneidern zu lassen kommt für die in Atlanta im Outkast-Umfeld heimische Querdenkerin nicht in Frage. Passend zu ihrer Persönlichkeit ziehen sich Unabhängigkeit und Eigensinn durch ihr Konzeptalbum, das - ursprünglich als „Metropolis Suite 2“ und „3“ geplant - die EP fortsetzt. Das verbindende Element ist nicht der Sound, sondern die Geschichte der Cindi Mayweather, die als Erz-Androidin auserwählt ist, das unterdrückte Robotervolk zu führen und zu befreien. Klanglich sind auf dieser Reise schwer funkige Tanzkracher wie „Tightrope (featuring Big Boi)“ ebenso drin wie das indierockende, mit Of Montreal aufgenommene „Make the Bus“ oder der sphärische Rap von „Dance or die“. Doch selbst die Klammer Indie/R’n’B/HipHop greift noch zu kurz. Streicherschwere Jazzstücke, Mittelalterfolk und weltmusikalisch angehauchte Experimentalklänge verspotten jeden Kategorisierungsversuch - und können einen mit ihrer überbordenden Theatralik in den Wahnsinn treiben. In seiner Gesamtheit entfaltet das unfassbare Werk jedoch eine Wirkung, die man nur als hypnotisch bezeichnen kann.kab / kulturnews.de
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