
Ist der Preuswald noch zu retten? „Es gibt deutschlandweit einige Großsiedlungsbeispiele, wo genau das gelungen ist“, weiß Gisela Schmitt vom Lehrstuhl für Planungstheorie der RWTH.
„Köln-Chorweiler oder Dortmund-Klarenberg hatten ähnliche Probleme und haben sich wieder stabilisiert.“ Zusammen mit ihren Studenten hat Schmitt 2005 ein Entwicklungsplan-Projekt zum Preuswald durchgeführt. Die Ergebnisse waren vielfältig. „Ganz wichtig wäre eine kleinteiligere Struktur: zum Beispiel weniger Wohnungen pro Haus.“ Einer Siedlung von der Größe des Preuswalds sei mit einem riesigen Einkaufscenter nicht gedient, es müsste Raum für kleine Einzelhändler geben, kleine Ladenlokale, die Vielfalt zulassen. „Die Stadt Aachen müsste versuchen, mit der Siedlung in bundesweite Programme, wie zum Beispiel ‚Stadtumbau West’ oder ‚Soziale Stadt’ hereinzukommen. Das Stadtumbau-Programm fördert auch den Abriss, das muss vielleicht an einigen Stellen auch sein. Aber solange die Annington nicht mitzieht, ist nur oberflächliche Kosmetik möglich.“ Die Stadt Aachen plant eine „Zukunftswerkstatt im Viertel. Im Preuswald wartet man ungeduldig auf die Umsetzung.
Schmitt sieht auch andere Aspekte, an denen es dem Preuswald auf jeden Fall mangelt: „Die Siedlung braucht eine grüne Mitte. Es gibt momentan keinen Treffpunkt, wo Menschen zusammenkommen, sitzen, das Treiben beobachten und sich wohlfühlen. Der Preuswald braucht ein klar definiertes, attraktives Zentrum. Die breiten Straßen gehören auch der Vergangenheit an. Damals ist der Preuswald als moderne autogerechte Schlafstadt konzipiert worden. Das Konzept ist überholt.“
Ein riesiger Pluspunkt im Preuswald ist die direkte Nähe zum Wald. Und genau diese „Waldsiedlungsqualität“ würde Schmitt stärken. „Kein Weg führt in den Preuswald, als Spaziergänger kommt man hier nie vorbei. Das müsste man ändern.“ Genauso wie auch das Gesicht des Preuswalds in Richtung Lütticher Straße. „Im Moment ist das, als wenn man ein Haus immer durch die Kellertür betritt. Zur Straße hin hat der Preuswald keinen Siedlungseingang, nur eine unattraktive Einfahrt.“
Aber Dorner-Bachmann, Ondracek und Nyssing haben ihr Viertel noch nicht aufgegeben. Sie freuen sich auch über kleine Fortschritte. So haben sie bei ihrem Rundgang eben festgestellt, dass zwei Sandkästen neuen Sand haben und dass ein Weg wieder freigeschnitten wurde. „Wir müssen einfach mehr Reklame machen! Dann kommt auch irgendwann wieder neues Leben in den Preuswald!“
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