
Es ist noch gar nicht lange her, dass die Alemannia in Fußballdeutschland für Furore sorgte. Dabei schienen Erfolge wie Pokalfinale, Europacup und Bundesligaaufstieg immer von himmlischer Seite abgesegnet.
Zumindest machte das ein Spruchband aller Welt weis, das, wenn es in diesen rasanten Zeiten darauf ankam, in den schwarz-gelben Fanreihen auftauchte: „Gott will es“ stand darauf. Keiner der Anhänger hat je an dieser Botschaft gezweifelt. Umso erstaunlicher erscheint da die Tatsache, dass die Verantwortlichen beim Umzug ins neue Stadion glatt vergessen haben, den Beistand der höheren Mächte mit in die Kartons zu packen. Sagenhafte 368 Tage blieb der Postkasten ungesegnet. Geradezu unglaublich! Wen wundert da noch der Verlauf der Premierensaison, an deren Ende nahezu jeder Augenzeuge, von höllischer Langeweile zermürbt, drei Kreuzzeichen machte?
Fußball für Eingeweihte
Pünktlich zum Anpfiff der neuen Serie ist dieser Missstand jetzt behoben worden. Zumindest von katholischer und evangelischer Seite ist der neue Tivoli seither kein heidnischer Ort mehr. Und kaum ist der Rasen geweiht, schon läuft das Spiel darauf wie seit mindestens 368 Tagen nicht gesehen. Schon nach der ersten Partie ist die Handschrift von Trainer Peter Hyballa klar erkennbar: Mutig spielt die Mannschaft nach vorne, setzt auf Pressing. Auch wenn noch längst nicht alles funktioniert, zeigt sich das Publikum von diesem frischen Wind begeistert. Nur beim Anblick der Chancenverwertung schlägt manch einer noch die Augen gen Himmel. Doch die junge Truppe ist lernfähig, wird schon bald an Kaltschnäuzigkeit gewinnen. Und dann wird so mancher Gegner dran glauben müssen. Holt das alte Plakat raus. Gott will es endlich wieder.
Christoph Löhr ist Redakteur und Mitherausgeber
des Alemannia-Fanzines IN DER PRATSCH.
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Kategorie:
Kurvendiskussion